Steckbrief DSB MFA/FF/MFB "IC3"


Während der Entwicklung des "APO"-Lyntogs stellte die DSB 1983 fest, daß die geforderte Verkürzung der Reisezeit nicht mit lokbespannten Zügen erreicht werden konnte. Stattdessen wurden nun Triebzüge mit Übergängen an den Stirnseiten favorisiert. 1985 erhielt Scandia eine Bestellung über 23 neuzukonstruierende Triebzüge mit der Typbezeichnung "IC3" (dreiteiliger Intercity Triebzug). Diese sollten auf Seeland im Verband eingesetzt und jenseits des Großen Belts als Flügelzüge getrennt werden können. Bei gekuppelten Einheiten sollten die gegenüberliegenden Stirnseiten mit aufblasbaren "Gumminasen" gegeneinander abgedichtet und die unbenutzten Führerstände seitlich eingeklappt werden können. Mit dem so geschaffenen Durchgang sollten sich die Passagiere über alle verbundene Einheiten besser verteilen können. Jeder Triebzug bestand aus drei Wagen, wobei die mittlere Einheit auf Jacobs-Drehgestellen ruhte. In jedem der vier Drehgestelle wurde eine Achse von einem eigenen dieselhydraulischen Maschinenmodul unter dem Wagenboden angetrieben.

Die Entwicklung des Projekts "IC3" teilte sich ein Konsortium aus Scandia (Wagenkasten) und Duewag (Maschinenanlage) unter Führung der DSB. Die Leitung übernahm der DSB-Ingenieur Niels Tougaard Nielsen, auf dessen Ideen das gesamte Projekt beruhte. Da vorwiegend bewährte Techniken und Komponenten eingesetzt wurden, verzichtete man auf die Erprobung von Prototypen. Dieser ehrgeizige Ansatz rächte sich insbesondere bei den vielfältigen rechnergestützten Systemen und den Laufeigenschaften, so dass weder der Kosten- noch der Zeitrahmen annähernd eingehalten werden konnte. Scandia war hiermit finanziell überfordert und verlor 1986 seine Eigenständigkeit. Das Unternehmen wurde 2001 vom Bombardier Konzern als Bombardier Transportation Denmark A/S übernommen.

1989 wurden die ersten IC3-Züge als Baureihe MFA, FF (Mittelwagen), MFB ausgeliefert, die zunächst als Lyntog eingesetzt wurden und ab 1991 landesweit im IC-Dienst standen. Bis 1998 wurden insgesamt 92 IC3-Züge beschafft, vier weitere ehemalige "Kustpilen"- (Küstenpfeil)-Züge der schwedischen Blekinge Länstrafik AB folgten 2004. Mit der Einführung des IC4 sollten die IC3 schrittweise zu Regionalzügen degradiert werden und ihrerseits die Baureihe MR/MRD verdrängen. Da sich die Lieferung der IC4-Züge um Jahre verzögerte, wurde 2006-08 ein Modernisierungsprogramm aufgelegt. Dabei wurden die IC3 u.a. mit modernen, wassergekühlten Deutz-Motoren, neuen Sitzen und Fahrradabteilen ausgestattet. Schäden an den Turboladern der neuen Motoren führten im Sommer 2009 immer wieder zu Ausfällen der IC3-Züge und damit zu Störungen im Planbetrieb.

Bei Lieferung waren die Triebzüge weiß mit roten Türen, das aktuelle Design lichtgrau mit dunkelblauem Fensterband wurde ab Ende 2002 eingeführt. Alle IC3 wurden von Städten adoptiert und auf den Namen einer lokal bekannten Persönlichkeit getauft. Die Züge erhielten das jeweilige Stadtwappen und die Gestaltung der Innenräume bezog sich auf den Namensgeber. Zehn Züge wurden für den grenzüberschreitenden Verkehr nach Deutschland mit INDUSI und entsprechenden Funkanlagen ausgerüstet. Sieben weitere Triebzüge wurden mit dem schwedischen ATC-System für den Verkehr über die Øresundbrücke ausgestattet. Einzelne Triebzüge erhielten vorübergehend ein besonderes Erscheinungsbild durch Aufkleben entsprechender Folien:
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IC3 ..06 wurde anläßlich des 150. DSB-Jubiläums als rollende Austellung umgerüstet und erhielt in dieser Ausführung den Spitznamen "Guldfisken" (Goldfisch). Der Zug war inklusive der Fenster mit Goldfolie beklebt und trug die Aufschrift "en danmarksrejse år 2002" (Eine Dänemarkreise im Jahr 2002). Die Ausstellung zeigte fünf Szenarien, wie dänische Bahnreisen im Jahr 2002 aussehen könnten und wurde im Juni 1997 in 24 Städten gezeigt.
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IC3 ..12 wurde 1998 versuchsweise mit einen Entwurf eines übergroßen neuen DSB-Logos in rot, blau, gelb und schwarz versehen.
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Der Triebzug MF..03 erhielt den Namen "Hans Christian Andersen" und wurde 2005 anläßlich des 200. Geburtstages des Dichters mit einer Sonderbeschriftung versehen: Die Wagen führen in goldenen Buchstaben auf Deutsch, Dänisch und Englisch das H. C. Andersen-Zitat "At rejse er at leve" (Reisen ist Leben).
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Anfang 2009 änderte die DSB die Farbe ihres Markenzeichens in grün, um auf die ökologischen Vorzüge des Bahnfahrens aufmerksam zu machen. Aus diesem Anlaß erhielten die MF-Triebzüge ..68 und ..75 ein grünes Design mit der Aufschrift "Det er ikke et spørgmål om grøn - men hvor grøn" (Es ist keine Frage, ob grün - sondern wie grün). Jeder Wagen erhielt einen eigenen Grünton. Das neue Logo soll auf Druckerzeugnissen etc. verwendet werden, die Farbgebung von Uniformen und Fahrzeugen soll dagegen unverändert beibehalten werden.
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Von April 2008 bis April 2009 trug MF ..01 eine Folie mit Werbung der "3F Fagligt Fælles Forbund", Dänemarks größter Gewerkschaft.
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Im Juni 2009 erhielt MF ..01 eine blau-grün-gelbe Folie mit Werbung für den InterCityLyn-Verkehr, Slogan: "Lynhurtigt-Lyneffektiv-InterCityLyn, København Århus på under 3 timer" (blitzschnell-blitzeffektiv-InterCityLyn, Kopenhagen-Århus in weniger als 3 Stunden).
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Im September 2009 erhielt MF ..18 eine Folienwerbung der Lindø-Werft, Slogan: "Lindøfolk... på banen... ...klar til start...". Die Folie zeigte jede Menge motivierte und fröhliche Menschen, die sich auf neue Jobs freuten. Die Lindø-Werft griff zu dieser ungewöhnlichen Maßnahme zur Unterstützung ehemaliger Mitarbeiter, nachdem Sie einen Großteil ihrer Belegschaft entlassen hatte.
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Im April 2011 erhielt MF ..03 eine Folienwerbung der Kampagne "Børns Vilkår" (Kinderwohlfahrt), Slogan: "Ring gratis og anonymt til BørneTelefonen på 116 111" (Rufe gratis und anonym das Kindertelefon unter 116 111 an).
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Im Januar 2012 erhielt MF ..34 eine Folienwerbung des sozialen Freiwilligendienstes "Natteravnene" (Die Nachtraben).
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Anfang 2012 erhielt MF ..48 eine Foliengestaltung als "Miljøtoget" (Umweltzug) und wurde mit verschiedenen positiven Schlagzeilen zum Thema beschriftet.
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Im Juni 2012 erhielt MF ..40 eine Folienwerbung für das Musikfestival "Grøn Koncert", Slogan: "30 ÅR MED GRØN KONCERT".

Darüber hinaus erhielten verschiedene IC3 zeitweilig Werbeaufschriften.

Die IC3-Triebzüge bildeten den Ausgangspunkt einer Fahrzeugfamilie, die unter dem Namen "Flexliner" vermarktet wurde. Die DSB erhielt neben der dreiteilige Dieselvariante "IC3" als Reihe MFA/MFB auch eine vierteilige elektrische Version "IR4" als Reihe ER. Verschiedene dänische Privatbahnen wurden 1997 mit dem zweiteiligen Dieseltriebzug "IC2" ausgestattet. Exportversionen der Dieselvariante gingen nach Schweden (SJ Y2, "Kustpilen"), Spanien (Renfe Serie 594) und Israel (IC3, "Ayssee").


Technische Daten DSB MFA-FF-MFB:
Lieferzustand neu nach Umbau 2006-08
Anzahl 92+4
Hersteller ABB Scandia / ADtranz
Baujahre 1989-1993, 1998
Achsfolge (1A)'(A1)'(1A)'(A1)'
Länge über Kupplung 58.800 mm
Motor 4 x KHD BF8L 513 CP, 8 Zylinder 4 x KHD TCD2015V06, 6 Zylinder
Leistung 4 x 294 kW (4 x 400 PS) bei 2300 U/min 4 x 330 kW (4 x 447 PS) bei 2100 U/min
Kraftübertragung dieselhydraulisch dieselmechanisch
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Dienstgewicht 97,0 t
Sitzplätze 1./2. Kl. 16 / 132 16 / 122




Abbildungen:

DSB:

DK0013 DK0238 DK5597

DK0519 DK1618


Besondere Farbgebungen, Werbung:

DK4666 DK3327 DK6949

DK4667 DK1810 DK1852

DK4668 DK3399 DK3400 DK3382 DK3383

DK6412 DK3163 DK3755 DK4005

DK5622 DK5623 DK5594 DK5595 DK5596

DK5598 DK6478 DK5632 DK5633


SJ "Kustpilen":

DK1877 DK4663 DK6074


Quellen:
Andersen, Torben (1996): DSBs motortogsæt anno 1995/96, 3. del. Lokomotivet 44: 4-10.
Bjerregaard, John: Rail-O-Rama: www.railorama.dk
Dresler, Steffen (1991): IC-3 - fremtidens tog. Lokomotivet 26: 14-18.
DSB: www.dsb.dk
Jensen, Niels (2000): Danske jernbaner. Aschehoug Dansk Forlag A/S.
Jensen, Tommy O. (2002): En danmarksrejse år 2002. Jernbanen 4/02: 29-31.
Nørregaard Jespersen, Peder (2007): The success of the IC3. European Railway Review Issue 3 2007: 29-31.


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