A/S Frichs Maskinfabrik - Teil 4: Niedergang


Niedergang
A/S Frichs trat in der Nachkriegszeit bei allen Neuanschaffungen der DSB nur noch als Zulieferer oder Lizenznehmer auf (Baureihen MY, MX, MZ I-IV und MH sowie Traktortypen "Ardelt" und "Køf"). Lediglich die Baureihe MT war noch eine eigene Entwicklung mit einem neuen Motortyp, die allerdings erst nach Umrüstung auf Maybach-Mercedes Motoren zuverlässig lief. A/S Frichs hatte damit auch die Entwicklungskompetenz auf dem Sektor der Rangierlokomotiven verloren.


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In Zusammenarbeit mit Scandia entstanden weiterhin die S-Bahnzüge der zweiten Generation für Kopenhagen und Drehgestelle für die neuen DSB-Triebzüge der Reihe MR/MRD. Der Entwurf eines fünfteiligen Dieseltriebzuges für den Lyntogdienst wurde 1976 von der DSB abgelehnt. Schließlich war der absolute Tiefpunkt erreicht, als in den 1970er Jahren einige Privatbahnen neue Dieselloks benötigten und A/S Frichs eine Eigenkonstruktion anbot, die im Wesentlichen aus deutschen Zulieferteilen bestand.


Konkurs und Ende
In den 1970er Jahren verschärfte sich die wirtschaftliche Lage für A/S Frichs stetig. Daran konnte auch Bent Bigaard Sørensen nichts ändern, der 1972 die Betriebsleitung von seinem Schwiegervater Jens Due Petersen übernahm. 1977 mußte der bittere Schritt vollzogen werden, die Eisenbahnproduktion an Scandia zu verkaufen. Auch die anderen Geschäftsbereiche wie Kraftwerksausrüstungen, Fassadenkonstruktionen etc. brachten negative Ergebnisse und so war 1979 der Konkurs unabwendbar. Der Kosan-Konzern übernahm die Firma 1980 unter dem Namen "Kosan Cylindric Frichs" und produzierte hier u.a. Gasmotoren und Gasbehälter, gelegentlich wurden auch noch Lokomotiven repariert. Schließlich wurde das Unternehmen 1986 abgewickelt und die Motorenproduktion an eine Investorengruppe als "Frichs Energi A/S" verkauft. Der Firmensitz war zunächst in Hasselager und wurde später nach Horsens verlegt.

Die heutige "Frichs Holding A/S" in Horsens hält zwei Tochterunternehmen: Die "Frichs Motorservice A/S" liefert Motoren für maritime Anwendungen sowie für stationäre Kraftwerke, Notstromaggregate etc. Frichs-Motoren finden sich u.a. auf Schiffen der dänischen Marine sowie einigen Fähren im Mittelmeerraum. Die "Frichs Kraftvarme Service A/S" ist dagegen auf Anlagen zur Kraft-Wärmekopplung spezialisiert, die mit Diesel- oder Gasmotoren bzw. mit kleinen Gasturbinen betrieben werden.

Frichs Holding A/S
Sverigesvej 16
DK-8700 Horsens
Phone: +45 75 64 72 44
e-mail: frichs@frichs.com
www: http://www.frichs.com/


Erhaltene Frichs Loks und Triebwagen
Frichs-Fahrzeuge finden sich so ziemlich in jedem Eisenbahnmuseum und bei jeder Museumsbahn, so daß hier auf eine detaillierte Aufstellung verzichtet wird. Regelmäß sind Frichs-Fahrzeuge bei den meisten Museumsbahnen live zu erleben.

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Ein Besuch auf dem Frichsgelände 2004
Das traditionsreiche Frichs-Firmengelände in Århus Åbyhøj wurde 1986 von der Baufirma Olav de Linde übernommen und zu einem Gewerbegebiet unter dem Namen "Frichsparken" entwickelt. Die alten Werkhallen wurden modernisiert und erstrahlen heute im sympathischen "Skagengelb". Die ursprüngliche Erscheinung der Gebäude mit den Tonnendächern und dem charakteristischen Turm wurde bewahrt. Heute sind hier ca. 90 kleine und mittelständische Unternehmen angesiedelt.

Betritt man die frei zugängliche Anlage, erinnert auf den ersten Blick lediglich ein (mit Verlaub ziemlich murksiger) Brunnen daran, daß hier einst Dänemarks stolzeste Lokomotivschmiede ihren Sitz hatte. Dezente Schriftzüge an den Gebäudeecken weisen darauf hin, welche Funktionen die Hallen früher hatten. An der Stirnwand des Kontorgebäudes am ehemaligen Haupttor ist eine große Uhr erhalten, die 1954 von den Aktionären zum 100-jährigen Firmenjubiläum gestiftet worden war. Damals herrschte offenbar noch Optimismus für die Zukunft des Unternehmens... Der Haupteingang liegt am Søren Frichs Vej, auf dem teilweise noch das Anschlußgleis zu sehen ist.

Frichsparken
Søren Frichs Vej
8230 Åbyhøj

www: www.frichsparken.dk


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A/S Frichs Übersicht
Teil 1: Frühe Jahre und Dampflokzeit
Teil 2: Die große Dieselzeit
Teil 3: Besatzungszeit und Neuanfang
Teil 4: Niedergang und Ende
Anhang: A/S Frichs Exporte