Ende der 1920er Jahre entschloß sich die DSB zur Beschaffung
größerer Triebwagen mit Drehgestellen und elektrischer
Kraftübertragung. Die technischen Herausforderungen lagen dabei in der Zuverlässigkeit und
Leistung des Antriebs, die teakholzverkleideten Wagenkästen entsprachen dagegen dem
zeitgenössischen Wagenmaterial. Auf die zunächst bei Frichs und
Scandia gebaute Reihe
DSB MR folgte 1929 ein Entwurf von DfA.
Von diesem wurden zunächst vier Fahrzeuge
DSB ML 96-99 beschafft, 1930 folgten 12 weitere mit
gesteigerter Leistung als
DSB ML 84-95. Diese Triebwagen erhielten bei Triangel die Typbezeichnung
"Modell XX" bzw. "Modell XX A" und wurden bei der DSB 1941 als Reihe
DSB ML 501-515 umgezeichnet. DfA lieferte den Wagenkasten und das Fahrwerk, die
elektrische Ausrüstung stammte von Thrige, die Benzinmotoren fertigte Continental und die Steuerung kam von GEBUS.
Die Reihe ML war an beiden Fahrzeugenden mit Führerständen und Übergängen
an den Stirnseiten versehen. Der Bereich zwischen den Führerständen
war unterteilt in einen Maschinenraum, einen Packraum sowie in zwei
Abteile. Die Fahrgasträume hatten einen Mittelgang und waren mit
lederbezogenen Polsterbänken im Schema 2+3 eingerichtet, die Einstiege
waren eingerückt. Zur Heizung war unterflur ein Koksofen vorhanden. Die
Maschinenanlage der ML bestand aus zwei querliegenden Benzinmotoren von Continental mit
angeflanschten Generatoren. Die Fahrmotoren waren im gegenüberliegendem
Drehgestell angeordnet. Seitliche Öffnungen im Wagenkasten
ermöglichten die Belüftung des Maschinenraums. Die
Kühlanlage bestand aus querstehenden Radiatoren auf dem Dach,
deren Anordnung zwischen den Fahrzeugen differierte und mehrfach
geändert wurde. In späteren Betriebsjahren fanden hier auch
flache, Frichs-typische Dachkühler Verwendung, wie sie u.a. bei
der DSB-Reihe MO verbaut wurden. Während der gesamten Betriebszeit waren die
teakholzverkleideten Wagenkästen klar lackiert.
Die Wagen der Reihe ML zeigten gute Fahreigenschaften, konnten wegen ihrer
geringen Zugkraft aber nur einen Beiwagen der Reihe
FE
mitführen. 1940 entschloß sich die DSB zum Tausch der vergleichsweise
unwirtschaftlichen Benzinmotoren gegen Büssing Dieselmaschinen.
Die Reihe ML war zunächst im kopenhagener Nahverkehr eingesetzt,
bis sie dort durch die Reihe MO abgelöst und auf Nebenstrecken
in ganzen Land verdrängt wurde. Alle ML waren bis 1958
ausgemustert, keines der Fahrzeuge wurde erhalten.
Insgesamt 8 der ausgemusterten ML wurden nach dem Entfernen der Maschinenanlage weiter
verwendet als provisorische Kantine bzw. als
Undervisningsvogne
(Unterrichtswagen) für das "Jysk Teknologisk Institut" (JTI).
Technische
Daten DSB ML 84-99, ab 1941: ML 501-515 |
Anzahl |
16 |
Hersteller |
DfA |
Baujahr |
1929-30
|
Achsfolge |
2' Bo' |
Länge über Puffer |
20.930 mm |
Drehzapfenabstand |
13.800 mm |
Achsstand im Drehgestell |
2.500 mm |
Motorvarianten* |
ML 84-87: 2 x Continental, 6 Zylinder
ML 88-99: 2 x Continental, 6 Zylinder |
Leistung* |
ML 84-87: 2 x 74 kW (100 PS) bei 2.000 U/min
ML 88-99: 2 x 88 kW (120 PS) bei 2.000 U/min |
Kraftübertragung |
benzinelektrisch |
Höchstgeschwindigkeit |
75 km/h |
Dienstgewicht |
44,0 t |
Sitzplätze |
70 |
Ausstattung |
1 WC, Traglastenraum |
* = ab 1939: 2 x Büssing Diesel, je 6 Zylinder, 99 kW (135 PS) bei 1.600 U/min
Abbildungen:
Die Wagenkästen von ML 502 und 507 waren zeitweilig als "Marketenderi",
d.h. als Kantine und Aufenthaltsraum am Güterbahnhof Kopenhagen aufgestellt. Sie waren
als "Café Runchel" bekannt und wurden um 1970 entfernt.
JTI Undervisningsvogne:
Zum Verbleib der einzelnen Triebwagen s.
Fahrzeugliste.
Quellen:
Alkjær, Hans Gram et al. (1976): Motor Materiel 1: Motormateriel fra Triangel. Dansk Jernbane-Klub.
Andersen, Torben (1987): Motorvogn litra ML. Lokomotivet 17: 24-38.
Andersen, Torben (2007): Undervisningsvogne hos de teknologiske institutter. Lokomotivet 90: 5-11.
Andersen, Torben (2008): Dansk Jernbanehistorie 4. Næstved: Lokomotivetīs forlag.
Andersen, Torben (2018): DSB litra ML. Lokomotivet 131: 27-33.
Sundborg MJ (2018): DSB motorvogn litra ML Den store Triangelvogn. www.sundborg.wordpress.com.
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