Ende der 1920er Jahre entschloß sich die DSB zur Beschaffung
größerer Triebwagen mit Drehgestellen und
dieselelektrischer Kraftübertragung. Inspiriert von den
EVA-Maybach Triebwagen der Privatbahnen entwarf die DSB
Maskinafdeling ein entsprechendes Fahrzeug. Die technischen
Herausforderungen lagen dabei in der Zuverlässigkeit und der
Leistung des Antriebs, für den auf die Konstruktion der
Frichs-Lokomotiven der Baureihe MT zurückgegriffen wurde. Der
Wagenkasten orientierte sich an dem zeitgenössischen
Wagenmaterial und entsprach den von Scandia gefertigten Triebwagen
des Typs "Kielervogne". Die neuen Triebwagen wurden bei
der DSB als Baureihe MR geführt, die Fertigung wurde Scandia
(Wagenkasten) und Frichs (Maschinenanlage, Drehgestelle) übertragen.
Die Maschinenanlage der MR bestand aus einem Motor und einem Generator,
die in einem langen Maschinendrehgestell untergebracht waren.
Letzteres fiel durch die innenliegenden Achslager auf. Der Antrieb
des Fahrzeugs erfolgte über zwei Fahrmotoren im
gegenüberliegenden Drehgestell, wodurch eine günstigere
Gewichtsverteilung erreicht wurde. Der Wagenkasten war mit
klarlackierten Teakholzleisten verkleidet und verjüngte sich zu
den Fahrzeugenden. Die Führerstände dienten auch als
Einstiegsräume, die Stirnseiten waren mit Übergängen
versehen. Über dem Maschinendrehgestell befand sich ein
Geräteraum, an dem ein Seitengang zum Fahrgastbereich
vorbeiführte. Letzterer war in zwei Abteile mit 3+2 Sitzteilung
und Mittelgang gegliedert. Der hintere Führerstand war als
Traglastenraum erweitert. Zur Beheizung des Fahrgastraumes war ein
Koksofen vorgesehen, mit dem auch das Kühlwasser des Motors
vorgewärmt werden konnte. Die Kühlanlage war über dem
Maschinendrehgestell auf dem Dach angeordnet und bestand aus vier
längsstehenden Lamellenkühlern. Ein Elektromotor betrieb
zwei Gebläse, die je ein Kühlerpaar belüfteten. Das
Dach unter der Kühlanlage war mit geringerer Wölbung
ausgeführt, um das Lichtraumprofil einzuhalten.
1928 wurden sechs Triebwagen der Reihe MR ausgeliefert. MR 201-204 waren
mit Frichs-Motoren ausgerüstet, MR 205 und 206 wurden ohne
Maschinenanlage bestellt, um Motoren anderer Hersteller erproben zu
können. Erste Versuchsfahrten verliefen ernüchternd mit
mehrfachen Maschinenschäden und die Kühlanlage mußte
um zwei querstehende, selbstbelüftete Kühlelemente ergänzt
werden. Da sich keine geeigneten alternativen Motoren fanden,
erhielten auch die beiden letzten MR Frichsmaschinen. Auf Grund der
Erfahrungswerte wurde hier ein stärkeres Muster gewählt,
wofür der Achsstand im Maschinendrehgestell um 100 mm erweitert
werden mußte. Zwei der Fahrzeuge gingen durch Brandschäden
verloren, die anderen erhielten in den 1930er Jahre neue Motoren,
wodurch eine größere Betriebssicherheit erreicht wurde.
Das Einsatzgebiet lag vorwiegend in Jütland. Während der
gesamten Einsatzzeit waren die MR klar lackiert, sie erhielten 1941 die
neuen Betriebsnummern 531-534. Nachbeschaffungen erfolgten nicht, lediglich
ein vergleichbares Fahrzeug ging an die "Troldhede-Kolding-Vejen
Jernbane" (TKVJ) als
TKVJ M 2.
Die Ausmusterung der Fahrzeuge erfolgte in den 1950er Jahren.
Insgesamt 3 der ausgemusterten MR wurden nach dem Entfernen der Maschinenanlage weiter
verwendet als
Undervisningsvogne
(Unterrichtswagen) für das "Jysk Teknologisk Institut" (JTI).
Technische
Daten DSB MR 201-206 / MR 531-534 |
Anzahl |
6 |
Hersteller |
Scandia, Frichs |
Baujahr |
1928
|
Achsfolge |
2' Bo' |
Länge über Puffer |
19.100 mm |
Drehzapfenabstand |
12.080 mm |
Achsstand im Maschinen- / Antriebsdrehgestell |
3.300 mm / 2.500 mm |
Motorvarianten* |
MR 201-204: Frichs 630C, 6 Zylinder
MR 205-206: Frichs 632C, 6 Zylinder |
Leistung* |
MR 201-204: 132 kW (180 PS) bei 1.200 U/min
MR 205-206: 162 kW (200 PS) bei 900 U/min |
Kraftübertragung |
dieselelektrisch |
Höchstgeschwindigkeit |
80 km/h |
Dienstgewicht |
MR 201-204: 43 t
MR 205-206: 45 t |
Sitzplätze |
60 |
Einrichtung |
2 Abt., 1 WC, 1 Traglastenraum |
Traglastenraum Fläche/Zuladung |
- m² / 4,5 t |
* = bei Lieferung
Abbildungen:
Zum Verbleib der einzelnen Triebwagen s.
Fahrzeugliste.
Quellen:
Christensen, Peter & Poulsen, John (2005): Motor Materiel 6: Motormateriellet fra danske
fabrikker før 1932. Smørum: bane bøger.
Dressler, Steffen (1992): DSB litra MR. Lokomotivet 30: 69-76.
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