Steckbrief SJS H 62 … 99 / DSB Hs 362-422, KFA 1-3


Die "Sjællandske Jernbane-Selskab" (SJS) wandte sich 1873 an die "Maschinenfabrik Esslingen" auf der Suche nach einer geeigneten Rangierlok. Esslingen lieferte daraufhin ein entsprechendes Modell, das aus einer für die württembergische "Ermsthalbahn" bestimmten Serie stammte. Dabei handelte es sich um eine B-gekuppelte Lok mit Naßdampfmaschine und Allan-Steuerung. Das Speisewasser wurde in einem Wasserkasten im Plattenrahmen mitgeführt, der Kohlebehälter war links vor dem Führerhaus auf dem Umlaufblech angeordnet. Als charakteristisches Konstruktionsmerkmal des Hauses Esslingen fiel die zweiflügelige Rauchkammertür auf, die sonst in Dänemark unüblich war. Die Maschine bewährte sich im Betrieb des kopenhagener Hauptbahnhofs und so wurden bis 1893 insgesamt 15 Loks bei der Maschinenfabrik Esslingen und der "Sächsische Maschinenfabrik zu Chemnitz (vormals Richard Hartmann AG)" beschafft. Die Loks wurden bei der SJS als Reihe H bezeichnet, die ersten Exemplare erhielten zusätzlich Namen. Mit der Übernahme der Loks in das Nummernschema der DSB 1892 wurden die Loks als Reihe Hs (I) mit den Betriebsnummern 362-377 geführt.

Für die neugegründete DSB forderte der Maskindirektør O. F. A. Busse d. J. vereinheitlichte Muster für einen wirtschaftlichen Betrieb. Als Standard-Rangierlok wurde die Reihe Hs gewählt, die in einer überarbeiteten Form in den Jahren 1894-1902 in insgesamt 45 Exemplaren beschafft wurde. Diese Loks wurden als Reihe Hs (II) mit den Betriebsnummern 378-422 geführt und wurde von folgenden internationalen Herstellern geiefert: "Neilson, Reid & Co, Glasgow", "Sächsische Maschinenfabrik zu Chemnitz (vormals Richard Hartmann AG)", "J. A. Maffei, München", "Societa Italiana Ernesto Breda per Construzioni Meccaniche, Milano" und "Henschel & Sohn, Kassel". Je zwei Hs (II) wurden von den dänischen Lokomotivherstellern "A/S Smith, Mygind & Hüttemeier, København und "AS Vulcan, C. F. Kiehn, Maribo" gefertigt. Die auffälligsten Änderungen an der Hs (II) betrafen die runde Rauchkammertür mit einem zentralen Handrad sowie den zur Kesselmitte hin zurüchverlegten Dampfdom. Letzterer wurde ab den 1940er Jahren mit dem Sandkasten unter einer langgezogenen Verkleidung zusammengefaßt.

Die Rangierloks der Reihe Hs erwiesen sich als zuverlässig und günstig im Betrieb, da sie von nur einem Mann bedient werden konnten und relativ wenig Kohle benötigten. Für schwere Rangieraufgaben mit größeren Wagenverbänden reichte ihre Leistung aber nicht aus, so daß die Loks weder an Ablaufbergen noch in Fährhäfen anzutreffen waren. Ab den 1950er Jahren wurde die Reihe Hs durch die Diesel-Kleinloks der Bauart Ardelt verdrängt. Einzelne Loks wurden an Werkbahnen und Bauunternehmen veräußert, insgesamt blieben 2 Hs (I) und 3 Hs (II) museal erhalten.


Museal erhaltene Fahrzeuge:


Hs (I):
Danmarks Jernbanemuseum: Hs 363
Nordsjællands Veterantog (NSjV): Hs 368

Hs (I):
Middleton Railways Leeds: Hs 385
DJK: Hs 399
Danmarks Jernbanemuseum: Hs 415


Technische Daten:
Hs (I)
SJS H 62 ...96 / DSB Hs 362-376
Hs (II)
DSB Hs 378-422
Anzahl 15 45
Hersteller Hartmann, Esslingen Neilson, Hartmann, Maffei, Breda, SMH, Vulcan, Henschel
Baujahre 1888-93 1894-1902
Bauart, Steuerung B n2T, Trick-Allan B n2T, Trick-Allan
Länge über Puffer 7.480 mm 7.540 mm
Rostfläche 0,82 m² 0,79 m²
Verdampfungsheizfläche 50,6 m² 46,7 m²
Kesselüberdruck 9 atm 10 atm
Zylinder-Ø 330 mm 330 mm
Kolbenhub 508 mm 508 mm
Treib- und Kuppelrad-Ø 1.086 mm 1.086 mm
indizierte Leistung - PS - PS
Zugkraft 2.980 kg 2.980 kg
Höchstgeschwindigkeit 25 km/h 25 km/h
Dienst- / Reibungsgewicht 20,75 t / 20,75 t 23,8 t / 23,8 t
Vorrat Wasser / Kohle 2,4 m³ / 0,5 t 2,4 m³ / 0,5 t


Abbildungen:

SJS/DSB Hs (I):

DK9020 DK2285 DK9026


DSB Hs (II):

DK9022 DK9023

DK6337 DK6338 DK6339 DK8902

DK5780 DK5781 DK5782


KFA Hs (II):

DK7461


Zum Verbleib der einzelnen Loks s. Fahrzeugliste


Quellen:
Andersen, Torben (1986): DSB litra HS rangerlokomotiv. Lokomotivet 12: 4-10.
Andersen, Torben (1994): DSB litra HS II. Lokomotivet 1 (Nr. 37): 24-27.
Bay, William (1977): Danmarks damplokomotiver. Herluf Andersens Forlag.
Dresler, Steffen (2009): DSB damprangerlokomotiver. Tog på tryk.


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