Steckbrief Kielervogne / DSB MBF 481-484


Das Auftauchen der ersten Triebwagen in Dänemark wurde bei Scandia als Gefahr für den Absatz von Personenwagen für Nebenbahnen gesehen. Da das Unternehmen über keine eigenen Kapazitäten zur Entwicklung von Maschinenanlagen verfügte, schloß Scandia 1924 ein Lizenzabkommen mit der "Deutsche Werke Kiel" (DWK) über die Fertigung benzinmechanischer DWK-Triebwagen. Diese Fahrzeuge waren bei der HAJ und drei jütländischen Privatbahnen bereits erfolgreich im Einsatz, ihre Beschaffung wurde aber durch schwankende Wechselkurse und die dänischen Einfuhrzölle behindert. Scandia beschränkte sich aber nicht auf einen reinen Nachbau sondern entwickelte das Konzept weiter für den dänischen Markt. Die Fahrzeuge wurden als kurze und als lange Bauform angeboten, sie wurden allgemein als "Kielervogne" (Kieler Wagen) bekannt.

Die Antriebsanlage der Kielervogne wurde von DWK geliefert und war in einem eigenen Rahmen zwischen den Drehzapfen aufgehängt, um Vibrationen vom Wagenkasten fernzuhalten. Die Kraftübertragung erfolgte über ein Viergang-Getriebe und Kardanwellen. Der Wagenkasten stammte von Scandia und war im Vergleich zur DWK-Vorlage stabiler ausgeführt sowie mit klarlackiertem Teakholz verkleidet. Die Fahrzeugenden wurden als Einstiegsräume mit Führerständen und Platz für Traglasten eingerichtet und waren wie beim DWK-Typ "Kommißbrot" stumpf ausgeführt. Der Fahrgastraum war mit gepolsterten, lederbezogenen Bänken möbliert, alle Fahrzeuge wurden über das Kühlwasser des Motors beheizt und waren mit einem WC ausgestattet. Weitere Ausstattungsmerkmale variierten nach Kundenwunsch. So konnte der Fahrgastraum durch eine Trennwand in Nichtraucher- und Raucherabteil getrennt werden, einige Fahrzeuge wurden mit gesonderten Post- und Packräumen eingerichtet. Die Stirnseiten konnten mit Türen und Übergängen für das Bahnpersonal ausgestattet werden, wobei die Bedienelemente des Führerstandes immer mittig angeordnet waren.

Scandia lieferte an Privatbahnen auf Jütland und Fünen insgesamt 14 Kielervogne, weitere Bestellungen unterblieben, da ab 1928 die stärkeren, dieselelektrischen Triebwagen aus der Kooperation mit Frichs verfügbar waren. Mit der Übernahme von Privatbahnen auf Fünen erhielt die DSB 1949 auch vier dieser Fahrzeuge, die zwischenzeitlich als Baureihe MBF geführt und bald an verschiedene Privatbahnen weiter verkauft wurden. In den 1950er Jahren erhielten die meisten Kielervogne neue Dieselmotoren und Änderungen bei der Anordnung der Dachkühler, einzelne Fahrzeuge wurden zu Reisezugwagen umgebaut. Der Einsatz dieser Fahrzeuge endete in den 1970er Jahren. Nur ein Kielervogn ist vollständig, ein anderer als Reisezugwagen erhalten. Der Wagenkasten des ersten Wagens (SKRJ M 1, später HP M 20) verrottet irgendwo in Nordjütland als Werkzeugschuppen.

Passend zu den "Kielervogne" bot Scandia zweiachsige Beiwagen an, die neben einem Fahrgastraum auch mit einem Traglastenraum und einem Postabteil eingerichtet waren.

Museal erhaltene Fahrzeuge:
MHVJ: RHJ M 4 (lange Bauform, seit 1969 in Reparatur)
SFvJ: TKVJ M 1 (kurze Bauform, 1951 Umbau als Reisezugwagen HTJ C 35)


Technische Daten Kielervogne
Bauart "lang" Bauart "kurz"
Anzahl 11 3
Hersteller Scandia Scandia
Baujahre 1926-1929 1926-1928
Achsfolge (1A)' (A1)' (1A)' (A1)'
Länge über Puffer 18.310 mm 13.250 mm
Motor DWK, 6 Zylinder DWK, 6 Zylinder
Leistung 110 kW (150 PS) bei 1000 U/min 110 kW (150 PS) bei 1000 U/min
Kraftübertragung benzinmechanisch benzinmechanisch
Höchstgeschwindigkeit 70 km/h 70 km/h
Dienstgewicht 33,0 t 28,0 t
Sitzplätze 58-76 + 2-10 Klappsitze 46-50 + 0-10 Klappsitze
Zuladung im Traglastenraum 0,5 t -
Ausstattung 1 WC, ggf. Post- u. Packraum 1 WC



Abbildungen:

Lange Bauform:

DK3249 DK3254 DK3273

DK4585 DK4586 DK4587 DK4588

DK0804a DK0804b DK0287 DK8686


Kurze Bauform:

DK3843 DK5283

DK5248 DK0684


Zum Verbleib der einzelnen Fahrzeuge s. Fahrzeugliste


Quellen:
Andersen, Torben (2001): Scandia diesellokomotiver og motorvogne 1924-1934. Lokomotivet 65: 41-47.
Andersen, Torben (2001): Motormateriel hos Hjørring Privatbaner. Lokomotivet 67: 41-47.
Christensen, Peter & Poulsen, John (2005): Motor Materiel 6: Motormateriellet fra danske fabrikker før 1932. Smørum: bane bøger.
Löttgers, Rolf (1988): Die Triebwagen der Deutschen Werke Kiel, Lübbecke: Verlag Uhle & Kleimann.
Mariager Handest Veteranjernbane (MHVJ): www.jernbaner.dk/mhvj
Syd Fyenske Veteranjernbane (SFvJ): www.sfvj.dk


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