DSB Spezialtransporte

Ladegut, das die regulären Abmessungen und Gewichte übertraf, beförderte die DSB als "usædvanlig transport" (UT), d.h. als Spezialtransport. Bei Bedarf wurden hierbei auch Schwerlasfahrzeuge anderer Bahnverwaltungen genutzt.


1947: Geschützrohr der Tirpitz-Stellung

Zu den deutschen Verteidigungsanlagen in Jütland zählte die 1944 begonnene "Tirpitz-Stellung" bei Blåvand nahe Esbjerg. Kernstück der Anlage waren vier Krupp Schnellfeuergeschütze Kaliber 38 cm, die ursprünglich für das Schlachtschiff "Gneisenau" vorgesehen waren. Nach dem Ende der deutschen Besatzung wurden die Anlagen durch das dänische Militär zerstört, wobei eines der 38 cm Geschützrohre für die Sammlung des "Tøjhusmuseum" (Königlich Dänisches Zeughausmuseum) in Kopenhagen erhalten blieb. Der Transport des gewaltigen Exponats von Guldager nach Kopenhagen erfolgte 1947 per Bahn. Da die DSB über keinen geeigneten Wagen verfügte, wurde von der schwedischen Staatsbahn (SJ) der Schwerlastwagen SJ Q 23 (später umgezeichnet als SJ Uaai-ux 995 0 000) angemietet. Dieser bestand aus einem Gittertragwerk, das auf zwei fünfachsigen Drehgestellen ruhte. Seit 2005 ist das Kanonenrohr ein Exponat des Bunkermuseums Hanstholm im Nordwesten Jütlands.

Technische Daten SJ Q 23 / SJ Uaai-ux 995 0 000:
Anzahl 1
Hersteller -
Baujahr 19--
Länge über Puffer 23.500 mm
Achsstand im Drehgestell 6.000 mm
Drehzapfenabstand 15.000 mm
zul. Höchstgeschw. - km/h
Eigengewicht 50,0 t
Zuladung 130,0 t


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Quellen:
SJ Särtryck 637 (1960): SJ godsvagnar (SJ gv), (online verfügbar bei "Modellrallare i west").



1949: Dampfkessel

Die DSB transportierte 1949 einen großen Dampfkessel aus dem Kopenhagener Hafen nach Roskilde. Hierzu wurde der Tiefladewagen DSB TK 10 000 verwendet, der mit Hilfe des Schwimmkrans der Kopenhagener Hafenbehörde beladen wurde.

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1951: "Operation Pinocchio" / "Mrs. Haröy"

Der dänische Antiquitätenhändler und Multimillionär Leif Søegaard beschloß 1951, der Welt einen echten Wal zu präsentieren. In seinem Auftrag erlegte die Norwegische Walfangstation Steinshamn vor der Insel Harøya einen weiblichen Finnwal. Das Tier maß 23 m, wog 55 t und wurde "Mrs. Haröy" genannt. Die Präparation erfolgte durch die Injektion von 7.000 l Formaldehydlösung sowie durch die Installation eines inwändigen Holzgerüstes. Der Auftrag zum Transport des Wals erging an die DSB, die im Zuge der folgenden "Operation Pinocchio" den Tiefladewagen DR Brit-US-Zone 13 438 der DB anmietete. Der 8-achsige Waggon wurde im Norwegischen Bergen beladen und brachte das Exponat nach Kopenhagen. Hier wurde der Kadaver als öffentliche Attraktion ausgestellt, finanziert durch Eintrittsgelder und Postkartenverkauf. Zeitgenössische Quellen berichten von großem öffentlichen Interesse aber auch von den intensiven Geruchseindrücken der Schau. Anschließend ging der Wal auf eine europaweite Tour mit über 60 Stationen und wurde 1953 schließlich nach New York verschifft. Dort wurde er auf Coney Island ausgestellt und sollte auf Tournee durch die USA und Mexiko gehen. Dies verhinderte allerdings ein Brand, der 1954 das Holzgebäude der Ausstellung mit dem Exponat zerstörte. Das Schicksal des Wals fand einen literarischen Nachhall im Titel des autobiografischer Romans "Mrs Haroy, ou, La mémoire de la baleine " (1993) des Luxemburger Autors Jean Portanta.

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Quellen:
Faessler, Andreas (2018): Stinkende "Freakshow" in Zug: Als ein Wal zu Besuch war. Luzerner Zeitung 29.07.2018.
Loumann Nielsen, N. (1951): "Operation Pinocchio" eller Mrs. Haröy kommer til Danmark. Vingehjulet 9. årgang nr. 4: 25-26 (online verfügbar unter http://rundremisen.dk).



1958: Generator für "Asnæsværket"

Ende der 1950er Jahre entstand in Kalundborg das Kraftwerk "Asnæsværket", dessen Turbinen, Generatoren und Kesselanlagen auf der Schiene angeliefert wurden. Am 7. Mai 1958 erreichte der erste dieser Spezialtransporte sein Ziel mit dem Stator eines Turbogenerators (Leistung: 169.000 kVA, Drehzahl: 3.000 U/min, Gewicht: 190 t). Absender war die Schweizer "Brown, Boverie & Cie." (BBC) aus Baden im Kanton Aargau, der Transport erfolgte mit dem Tiefladewagen SBB Nr. 73291 (spätere Wagennummern: Uai-z/Uai/Uaai 20 85 999 2 000, Uaai 82 85 995 8 000). Der Wagen war 1956 von der Schweizer "Giovanola Frères SA" geliefert worden und lief auf 2 dreiteiligen Drehgestellgruppen mit jeweils 9 Radsätzen, die die "Schweizerische Industrie-Gesellschaft" (SIG) entwickelt hatte. Das Ladegut wurde zwischen zwei Tragschnäbeln eingehängt. An beiden Fahrzeugenden waren Beobachtungsbühnen und -kanzeln eingerichtet. Der Transport wurde durch Personal der SBB und der BBC begleitet, das in einem beigestellten 1. Kl.-Reisezugwagen der SBB untergebracht war. Die Reiseroute in Dänemark verlief über Padborg, Fredericia, Odense, Kalundborg, Korsør mit Trajektierung über den Großen Belt durch "M/F Dronning Ingrid".

Technische Daten SBB Nr. 73291:
Anzahl 1
Hersteller Giovanola
Baujahr 1956
Länge über Puffer 41.530 mm
Achsstand im Drehgestell - mm
Drehzapfenabstand 24.530 mm
zul. Höchstgeschw. 50 km/h
Eigengewicht 50,0 t
Zuladung - t


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Quellen:
Jahn, Hermann: Güterwagen-Drehgestelle, www.drehgestelle.de.
Lou (1958): En usædvanlig transport ud over det sædvanlige. Vingehjulet 15. årgang nr. 16: 198-199 (online verfügbar unter http://rundremisen.dk).



1959: Walzmaschine für "Det Danske Stålvalseværk A/S"

Das Stahlwerk "Det Danske Stålvalseværk A/S" (DDS) in Frederiksværk erhielt 1959 eine neue Walzmaschine von einem Hersteller in Düsseldorf. Das zerlegte Gestell der Walzmaschine erreichte seinen Bestimmungsort auf zwei achtachsigen DB-Tiefladewagen der Gattung SSt.

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1973: Trafo-Transport "Kraftwerk Union"

Die "Kraftwerk Union" lieferte 1973 aus dem Werk Mühlheim den Stator eines Turbogenerators für 240.000 kVA an das schwedische Heizkraftwerk Uppsala. Der Transport erfolgte mit dem Tragschnabelwagen DB SSt 665, Betriebsnummer 096 9 173-3 SSt 665.

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1984: Trafo-Transport "ASEA"

Für überschwere Lasten wie Transformatoren beschafften die Schwedischen Sttatsbahnen (SJ) einen Spezialwagen als SJ Uaai-z 995 8 000. Der Tragrahmen ruhte auf 2 dreiteiligen Drehgestellgruppen mit jeweils 9 Radsätzen. An beiden Fahrzeugenden waren Beobachtungsbühnen und -kanzeln eingerichtet. Das Fahrzeug wurde zusammen mit dem Begleitwagen SJ U 900 0 006 eingesetzt, der zusätzliche Ausrüstung mitführte sowie Liegeabteile und eine Küche für die Begleitmannschaft bot. Beide Fahrzeuge wurden 1984 mit einem aus Schweden kommenden Schwertransport eines ASEA-Transformators in Dänemark gesichtet.

Technische Daten SJ Uaai-z 995 8 000:
Anzahl 1
Hersteller -
Baujahr 19--
Länge über Puffer 39.620 mm
Achsstand im Drehgestell - mm
Drehzapfenabstand 24.020 mm
zul. Höchstgeschw. - km/h
Eigengewicht 103,0 t
Zuladung 260,0 t


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Quellen:
SJ Särtryck 637 (1991): SJ godsvagnar (SJ gv), (online verfügbar bei "Modellrallare i west").


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