Steckbrief "Bænkevogne"


Die dänischen Privatbahnen verfügten über ausreichend Personenwagen, um den üblichen Reiseverkehr bedienen zu können. Allerdings kam es immer wieder zu Verkehrsspitzen wie dem Ausflugs- und Badeverkehr an Wochenenden und Feiertagen, die alle Ressourcen überforderten. Als Lösung dieses Problems wurden sogenannte "Bænkevogne" (Bankwagen) in verschiedenen Bauformen beschafft. Diese entsprachen zweiachsigen, geschlossenen Güterwagen, die bei Bedarf mit Bänken ausgerüstet werden konnten. Als Güterwagen waren die Waggons auf jeder Seite mittig mit einer Ladetür ausgestattet, die beim Einsatz als Reisezugwagen fest verschlossen wurde. Für die Fahrgäste gab es gesonderte seitliche Türen oder es bestand an den Stirnseiten Zugang über offene Endbühnen. So entstanden behelfsmäßige Personenwagen mit 30-40 Sitzplätzen, deren spartanische Einrichtung den Volksmund zu Spitznamen wie "Ko-vogne" (Kuhwagen) provozierte: Die Holzbänke waren hart, Fenster gab es nur wenige, zur Beleuchtung mußte eine Petroleumlampe reichen und eine Heizung oder ein WC fehlte völlig. Dagegen war hier eine Fahrkarte deutlich günstiger zu haben, als für reguläre Personenwagen. Wennn die Wagen nicht im Personenverkehr benötigt wurden, dienten sie als Stückgutwagen und trugen für diese Verwendung Aufschriften wie: "Maa ikke læsses med kvæg, ildelugtende eller tilsmudsende gods" (Nicht beladen mit Vieh, übelriechenden oder beschmutzenden Gütern).

Bænkevogne wurden ab 1876 von zahlreichen Privatbahnen beschafft und bis Anfang der 1920er Jahre eingesetzt, als sie von den neu aufkommenden Omnibussen verdrängt wurden. Einzelne Bahnen betrieben ihre Bænkevogne bis in die 1930er Jahre. Folgende Beispiele sollen die verschiedenen Bauformen des Wagentyps "Bænkevogn" illustrieren:


OHJ Qa 301-304:
Die "Odsherredsbanen" (OHJ) beschaffte 1900 bei Scandia eine Serie von vier "Bænkevogne" (OHJ QA 9-12, ab 1906 Qa 301-304). Die Wagen verfügten zum Einstieg über offene Endbühnen und boten 24 Sitzplätze. Die oberen Teile der Seitenwände waren als herausnehmbare Läden ausgeführt, sodaß die Wagen für den Ausflugsverkehr leicht als offene "Skovvogne" umgerüstet werden konnten. Daneben dienten die Wagen auch für die Beförderung von Schulkindern mit dem täglichen Güterzug. Als Wetterschutz wurden hierfür Fenster in herausnehmbaren Rahmen nachgerüstet, die anstelle der Läden eingesetzt werden konnten. OHJ Qa 301 blieb beim DJK erhalten, OHJ Qa 304 wurde bei "Nordsjællands Veterantog" betriebsfähig restauriert.

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HJJ S 131-137:
Die Horsens-Juelsminde Jernbane (HJJ) beschaffte 1910 und 1917 bei Scandia insgesamt 7 "Bænkevogne" als HJJ S 131-137. Die Wagen verfügten zum Einstieg auf jeder Seite über zwei Türen und seitliche Laufbretter, sie boten 42 Sitzplätze der 3. Kl. Die Wagen S 131 und S 137 wiesen eine größere Fahrzeuglänge auf, da sie mit einem zusätzlichen Bremserabteil und Schraubenbremse versehen waren. Alle Wagen wurden 1939 an die Privatbahnen HBS und HV veräußert, die die Fahrzeuge Anfang der 1950er Jahre ausmusterten. HJJ S 135 wurde beim DJK erhalten und bei der "Museumsbanen Maribo-Bandholm" (MBJ) 1999 betriebsfähig restauriert.

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SFJ J 141-145:
Die "Sydfynske Jernbane" (SFJ) beschaffte 1911 bei Arlöf eine Serie von fünf "Bænkevogne", die zunächst als SFJ JA 245-249 eingereiht und 1913 als SFJ J 141-145 umgezeichnet wurden. Die Wagen verfügten zum Einstieg auf jeder Seite über mehrere Türen und seitliche Laufbretter. Drei der Wagen erhielten einen verlängerten Rahmen mit einem Bremsabteil und Schraubenbremse. Bei einer Grundfläche von 17,8 m² boten die Fahrzeuge Sitzgelegenheiten für 34 Fahrgäste oder konnten mit 7,5 t Fracht beladen werden. Die Waggons erhielten ein graugrünes Farbschema und wurden 1949 ausgemustert.

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SNNB G 66-69:
Die "Stubbekøbingbanen" (SNNB) beschaffte 1912 bei Scandia eine Serie von vier "Bænkevogne" (SNNB G 66-69). Die Wagen verfügten zum Einstieg über offene Endbühnen und boten 32 Sitzplätze. SNNB G 67 und 68 wurden 1927 als Beiwagen für Triangel-Triebwagen umgerüstet und standen bis 1950 bzw. -52 in Dienst. Die beiden anderen Wagen wurden 1942/43 als Packwagen umgewidmet. SNNB G 66 endete bei der "Amagerbanen" als Packwagen AB E 1, SNNB G 69 wurde bei Danmarks Jernbanemuseum erhalten.

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HP G 71-76:
Die Hjørring Privatbaner (HP) übernahmen als Zusammenschluß von vier Privatbahnen in Nordjütland eine Serie von fünf "Bænkevogne" (HP G 71-76), die 1913 von Scandia gebaut worden waren. Die Wagen verfügten zum Einstieg über offene Endbühnen und boten 32 Sitzplätze. Keines der Fahrzeuge wurde erhalten.

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OKMJ J 79-83:
Die "Kertemindebanen" (OKMJ) beschaffte 1918 eine letzte Serie von fünf "Bænkevogne" (OKMJ J 79-83), die von den Werkstätten der Sydfynske Jernbane (SFJ) unter Wiederverwendung alter Radsätze gebaut wurde. Die Wagen verfügten zum Einstieg auf jeder Seite über zwei Türen und seitliche Laufbretter, sie boten 34 Sitzplätze. Auf Grund des mangelnden Komforts im Vergleich zu den neu aufkommenden Omnibussen, kamen die Wagen im Personenverkehr kaum zum Einsatz und wurden bald als Güterwagen umgerüstet. OKMJ J 81 blieb erhalten und wurde bei der "Syd Fyenske Veteranjernbane" (SFvJ) betriebsfähig restauriert, wobei ein elektrischer Lift für Rollstuhlfahrer eingebaut wurde.

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LJ Ce 71-74:
Die "Lollandsbanen" (LJ) beschaffte 1922 bei Scandia eine Serie von vier "Bænkevogne" (LJ Ce 71-74). Die Wagen verfügten zum Einstieg über große, offene Endbühnen und boten 42 Sitzplätze. Darüber hinaus war in jedem der Wagen ein Zugführerabteil eingerichtet. LJ Ce 73 wurde zu einem späteren Zeitpunkt mit einem Heizkessel ausgestattet und eine der Endbühnen wurde geschlossen, um Platz für einen Packraum mit seitlichen Schiebetüren zu schaffen. Die Ausmusterung der Wagen erfolgte vor 1961, wobei LJ Ce 74 als LJ Qs 102 "Tømrervogn" (Bauwagen) bis 1978 erhalten blieb.

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MTJ H 51-52:
Die "Torrigbanen" (MTJ) erwarb 1924 bei der Hannoversche Waggonfabrik, Linden zwei zweiachsige "Bænkevogne" (MTJ H 51-52), die mit 40 Sitzplätzen ausgestattet werden konnten. 1942 wurden beide Waggons an die "Lollandsbanen" (LJ) veräußert, wo sie als LJ H 170-171 eingereiht wurden. 1961 wurden beide Fahrzeuge als HJ QbH 121-122 umgezeichnet, ihre Ausmusterung erfolgte zum Ende der 1960er Jahre.

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RAJ Qa 661-664:
Auch bei verschiedenen schmalspurigen Privatbahnen wie denen auf Borrnholm kamen "Bænkevogne" zum Einsatz. So bestellte die Almindingen-Gudhjem Jernbane (AGJ) 1916 vier entsprechende Waggons bei der "Bornholms Maskinfabrik" in Rønne als RAJ Qa 661-664. Die dreiachsigen Fahrzeuge erhielten an einem Wagenende einen Einstiegraum und boten 32 Plätze in 2+2 Anordung mit Mittelgang. Die oberen Teile der Seitenwände waren als herausnehmbare Läden ausgeführt, die gegen Fenster getauscht werden konnten. Beim Zusammenschluß der Borholmer Privatbahnen zu "De bornholsle Jernbaner" (DBJ) wurden auch RAJ Qa 661-664 übernommen, ihre Ausmusterung erfolgte 1952 und 1968.

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Quellen:
Bruun-Petersen, Jens (1986): Personvognsmateriellets historie. Roskilde: bane bøger.
Bruun-Petersen, Jens & Tarp Jensen, Ulrik (2012): Danske personvogne. Smørum: bane bøger.
Nordsjællands Veterantog: www.veterantoget.dk
Reinfeldt, Jesper (1988): DBJ Nr. 1. JMJKs forlag, Århus.
Syd Fyenske Veteranjernbane (SFvJ): www.sfvj.dk


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