Steckbrief DSB T 297-299


Die Preußischen Staatseisenbahnen (KPEV) bestellten 1906 ein erstes Baulos einer neuen Schnellzuglok bei der "Berliner Maschinenbau AG" (BMAG, vorm. "Louis Schwartzkopff"). Die Loks wurden nach Vorgaben des KPEV Lokomotiv-Dezernenten Robert Garbe konstruiert und erhielten die Gattungsbezeichnung P 8. Es handelte sich bei dieser Baureihe um Heißdamploks mit zwei Zylindern und der Achsfolge 2' C. Charakteristisch war der längere Abstand zwischen der mittleren und der hinteren Kuppelachse, um ausreichend Raum für die Feuerbüchse zu schaffen.

Die P 8 erwies sich als sparsame und vielseitig verwendbare Lokomotive, die bis in die 1930er Jahre in insgesamt 3.956 Exemplaren von fast allen namhaften deutschen Lokherstellern gefertigt wurde. Neben der KPEV erhielten auch die "Oldenburgische Staatsbahn", die Mecklenburgische "Friedrich-Franz-Eisenbahn" sowie die "Badische Staatsbahn" einige P 8. Bei der "Deutschen Reichsbahn" (DRG) und deren Nachfolgern wurden die Loks als Baureihe 38.10 geführt, die letzten Exemplare wurden erst Anfang der 1970er Jahre ausrangiert. Etliche P 8 gelangten in den Bestand verschiedener europäischer Bahnverwaltungen als Reparationsleistung nach dem 1. Weltkrieg oder verblieben nach dem Ende des 2. Weltkriegs in vormals besetzten Gebieten.

Der früheste Einsatz der Baureihe P 8 in Dänemark erfolgte ab 1912 im grenzüberschreitenden Verkehr nach Südjütland. Während der deutschen Besatzung 1940-45 wurde eine größere Zahl von DRG-Lokomotiven in Jütland und auf Fünen vor Militärzügen eingesetzt, darunter über 150 P 8 / DRG 38.10. Nach dem Abzug der Wehrmacht verblieben drei schadhafte DRG 38.10 in Dänemark. Dabei handelte es sich um DRG 38 2877 ("AG Vulcan Stettin", 1920), DRG 38 2126, ("F. Schichau, Maschinen- und Lokomotivfabrik", 1917) und DRG 38 2625 ("Humboldt-Werke, Köln-Kalk", 1919). Auf Grund ihrer uneinheitlichen Herkunft zeigten die Maschinen Abweichungen u.a. bei der Anzahl der Dome und bei den Windleitblechen. Die Loks wurden 1945 von der DSB übernommen und 1949 nach Instandsetzung in den Zentralwerkstätten Kopenhagen als DSB T 297-299 eingereiht. Die Loks erschienen nun im schwarzen DSB-Farbschema ohne rote Kassettenlinien und erhielten einen "Slips" - das rot-weiß-rote Schornsteinband. Weitere dänische Merkmale waren die nachgerüsteten Schneeräumer sowie das asymmetrische Zweilicht-Spitzensignal. Die Loks wurden in Jütland stationiert und 1956 abgestellt. DSB T 297 wurde als stationäre Heizlok in Kopenhagen bis 1969 genutzt, T 299 war für den musealen Erhalt vorgesehen, wurde 1970 aber wegen des fortgeschrittenen Verfalls verschrottet. Keine der Loks blieb erhalten.


Technische Daten DSB T 297-299:
Anzahl 3
Hersteller Vulcan, Schichau, Humboldt
Baujahre 1920, 1917, 1919
Bauart, Steuerung 2' C h2, Heusinger
Länge über Puffer 18.592 mm
Rostfläche 2,58 m²
Verdampfungsheizfläche 143,28 m²
Überhitzerfläche 58,9 m²
Kesselüberdruck 12 atm
Zylinder-Ø 575 mm
Kolbenhub 630 mm
Treib- und Kuppelrad-Ø 1.750 mm
Laufrad-Ø 1.000 mm
indizierte Leistung - PS
Zugkraft 8.655 kg
Höchstgeschwindigkeit 100 km/h
Dienst- / Reibungsgewicht der Lok 774,6 t / 51,6 t
Tender: Achsfolge / Dienstgewicht 2' 2' / 49,4 t
Vorrat: Wasser / Kohle 21,5 m³ / 5,0 t



Abbildungen:

DSB T 297:

DK8357 DK9580


DSB T 298:

DK8355 DK8356


DSB T 299:

DK9578 DK9579


P 8 / 38.10 anderer Bahnverwaltungen:

DK9582 DK9583 DK9565

DK9584 DK9585


Zum Verbleib der einzelnen Loks s. Fahrzeugliste


Quellen:
Bay, William (1977): Danmarks damplokomotiver. Herluf Andersens Forlag.
Dresler, Steffen (1998): DSB litra N og T. Nęstved: Lokomotivet“s forlag.
Weisbrod, Manfred, Müller, Hans & Petznick, Wolfgang (1976): Deutsche Dampflokomotiven, Dampflok Archiv 1. Berlin: transpress VEB Verlag für Verkehrswesen.


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