Steckbrief DSB MP 251-260 / MP 540-549


Nach den positiven Erfahrungen mit der Baureihe MQ forderte die DSB neue Triebwagen mit gesteigerter Leistung und höherer Geschwindigkeit. 1933 erhielt Frichs eine Bestellung über 10 Fahrzeuge, die im Folgejahr als MP 251-260 (ab 1941 in MP 540-549) abgeliefert wurden. Die Wagenkästen und deren Einrichtung wurde von Scandia gefertigt, die elektrische Ausrüstung stammte von Titan. Konstruktiv waren die MP eine Weiterentwicklung der Reihe MQ: Der aus Stahl genietete Wagenkasten war aber an den Stirnseiten etwas aerodynamischer ausgeführt mit abgerundeten Dachenden und angeschrägten Führerstandsfenstern. Die Antriebsanlage bestand aus zwei Dieselmotor-Generatorsätzen, die in einem dreiachsigen Drehgestell unter dem Maschinenraum gelagert waren. Bei den Motoren handelte es sich um Viertaktdiesel von Frichs mit je sechs Zylindern ohne Druckladung. Für eine besonders kurze Bauform waren die Erreger auf den Generatoren mit Riementrieb angeordnet. Der Antrieb des Fahrzeugs erfolgte über zwei Fahrmotoren an den äußeren Radsätzen im gegenüberliegenden, ebenfalls dreiachsigen Drehgestell. So wurde eine günstigere Gewichtsverteilung erreicht und die empfindlichen Elektromotoren wurden vor dem Öl der notorisch undichten Frichs-Dieselmotoren geschützt. Jede Motor-Generatoreinheit versorgte einen Fahrmotor, so dass beim Ausfall einer Maschinenanlage immer noch die andere verfügbar war. Das Maschinendrehgestell war mit seitlichen Führungen anstatt eines Drehzapfens ausgeführt, der Wagenkasten stützte sich federnd auf die Drehgestellwangen. Die Kühlanlage aus den Frichs-typischen Elementen war auf dem Dach angeordnet.

Die MP waren an beiden Fahrzeugenden mit Führerständen eingerichtet und an den Stirnseiten mit Übergängen ausgestattet. Die Führerstandsfenster waren mit splitterfreien Scheiben verglast und mit Gittern gegen Vogelschlag geschützt. Hinter dem vorderen Führerstand lag der Maschinenraum, in den die Motor-Generatorsätze aus dem Maschinendrehgestell ragten. Hieran schloß sich ein kleines Packabteil an, das beidseitig mit 1 1/2-flügeligen Türen versehen war und auch als Dienstraum für den Zugführer diente. Der Fahrgastbereich war in zwei Abteile unterteilt, die durch einen mittigen Einstiegsbereich mit zweiflügeligen Schiebetüren getrennt wurden. Beide Räume waren mit Mittelgang und 2+3 Sitzteilung eingerichtet, die Sitze bestanden aus Bänken mit gefederten Polstern und Lederbezug. Die Reihe MP wurde zunächst ausführlichen Erprobungen unterzogen, woraus sich einige Modifikationen ergaben: Zur Verbesserung der Kühlluftzufuhr für die elektrischen Anlagen wurden am Maschinenraum Ventilationsöffnungen seitlich am Wagenkasten und an einem Dachaufbau nachgerüstet. Der Packraum stellte sich als zu klein heraus, so dass vom anschließenden Fahrgastraum ein Abteil abgetrennt wurde, das bei Bedarf als Dienstabteil genutzt werden konnte.

Bei der Auslieferung 1934 wurden vier MP auf Seeland und sechs MP in Jütland stationiert, mit dem Erscheinen der Reihe MO wurden 1935 alle MP in Jütland zusammengezogen und in schnellen Städteverbindungen eingesetzt. Bemerkenswert war hier ab 1936 die Verbindung "Nordpilen" Flensburg-Århus-Federikshavn, die von bis zu drei MP und mehreren Zwischenwagen gebildet wurden. Da die Reihe MP nicht mit Mehrfachsteuerung ausgestattet war, kommunizierten die Lokführer der Triebwagen mittels Summersignalen. Sechs MP wurden an der dem Maschinenraum abgewandten Stirnseite mit einem Rahmen zum Anschluß eines Faltenbalgs ausgestattet, sodaß ein geschützter Übergang für das Bahnpersonal während der Fahrt bestand. Als Mittelwagen kam u.a. die Gattung AUM zum Einsatz, die aus Gewichtsgründen mit Aluminium beplankt war und über ein von der CIWL bewirtschaftetes Speiseabteil sowie über eine unabhängige Heizanlage verfügte. Während der deutschen Besetzung Dänemarks 1940-45 waren die Triebwagen wegen Treibstoffrationierung abgestellt. Danach fanden sich die Wagen der Reihe MP zunehmend im Nebenbahndienst, für den sie mit ihrer geringen Achslast insbesondere auf Fünen bestens geeignet waren. Diverse Umbauten betrafen eine Vergrößerung des Packraumes mit separatem Zugführerabteil sowie eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit durch eine geänderte Getriebeübersetzung. 1966 wurden die letzten beiden MP ausgemustert, es wurden keine Fahrzeuge erhalten.

Alle MP waren über die gesamte Dienstzeit weinrot lackiert mit grauem oder silbernem Dach. Eine Nachbeschaffung durch die DSB fand zu Gunsten der stärkeren Baureihe MO nicht statt. Lediglich eine aus dem Muster MP abgeleitete Lizenzausgabe wurde von der schwedischen "Kockums mekaniska Verkstad Aktiebolag" in Malmö für die Malmö-Ystads Järnväg (MYJ) gebaut. Vier ausgemusterte MP wurden nach dem Entfernen der Maschinenanlagen in den 1960er Jahren als mobile Lehrräume von berufsbildenden Schulungseinrichtungen eingerichtet. Die Wagen des "Jysk Teknologisk Institut" erhielten ein blau/graues Farbschema, der Wagen des "Teknologisk Institut København" war dunkelgrün lackiert. Die Fahrzeuge wurden als Gattung ZU geführt und wurden bis Ende der 1980er Jahre ausgemustert. Keines der Fahrzeuge wurde erhalten, lediglich der Wagenkasten von MP 540 überlebte als Unterkunft auf dem Festivalgelände "Thylejren" (Stand 2011).


Technische Daten DSB MP 251-260, ab 1941: MP 540-549
Lieferzustand neu nach Umbauten 1952-55
Anzahl 10 -
Hersteller Frichs / Scandia -
Baujahr 1934 -
Achsfolge 3' (Ao1Ao)' -
Länge über Puffer 20.930 mm -
Motor 2 x FRICHS 6715CA, 6 Zylinder -
Leistung 2 x 162 kW (220 PS) bei 1000 U/min -
Kraftübertragung dieselelektrisch -
Höchstgeschwindigkeit 120 km/h 100 km/h
Dienstgewicht 61,0 t -
max. Achslast 11,0 t -
Sitzplätze 64 54
Traglastenraum Fläche/Zuladung 6 m² / 1,6 t 9 m² / 1,6 t
Einrichtung 2 Abt., 1 Packr., 1 WC 2 Abt., 1 Packr. mit Dienstabt., 1 WC


Abbildungen:

DK6514 DK6515 DK6567 DK8644

DK1519 DK1542 DK1543 DK6955


"Jysk Teknologisk Institut":

DK2487 DK5271 DK6854


"Teknologisk Institut København":

DK8484 DK8485


Zum Verbleib der einzelnen Triebwagen s. Fahrzeugliste.


Quellen:
Andersen, Torben (1994): DSB litra MP. Lokomotivet 2/94 (38): 4-10.
Andersen, Torben (2007): Undervisningsvogne hos de teknologiske institutter. Lokomotivet 90: 5-11.
Andersen, Torben (2008): Dansk Jernbanehistorie 4. Næstved: Lokomotivetīs forlag.
Christensen, Peter & Poulsen, John (2009): Motor Materiel 7: Motormateriellet fra Frichs og Scandia 1932-1978. Smørum: bane bøger.


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