Steckbrief Tretrukker / DSB MDF 491, 492, 494-497


Anfang der 1930er Jahre begann Triangel mit der Konstruktion großer Triebwagen, da der Markt für kleine Motorwagen gesättigt war. Für die dänischen Privatbahnen wurden Fahrzeuge entwickelt, die sich konzeptionell an einer schwedischen Vorlage orientierten. Die Wagen waren mit zwei Führerständen und Übergängen an den Stirnseiten ausgestattet. Um den Fahrgastraum gegen Vibrationen und Lärm der Maschinenanlage zu isolieren, wurde der Wagenkasten an beiden Enden von zweiachsigen Laufdrehgestellen getragen. Die gesamte Antriebsanlage wurde in einem zusätzlichen Maschinendrehgestell in der Fahrzeugmitte untergebracht. Über dem Motor befand sich mitten im Fahrgastraum eine Haube, auf der eine längs zur Fahrtrichtung ausgerichtete Bank montiert war. Diese Auslegung brachte dem Fahrzeugtyp den Spitznamen "Tretrukker" (Drei-Drehgestelle) ein. Aus wirtschaftspolitischen Gründen wurde die Produktion der Wagen auf folgende Unternehmen verteilt. Triangel: Fahrgestell und Maschinenanlage, Thrige: Elektrische Ausrüstung, Scandia: Wagenkasten sowie B&W: Motor.

Das erste Tretrukker-Versuchsmodell (Modell XXI) war mit mechanischer Kraftübertragung ausgestattet. Die Antriebsleistung wurde mittels Kardanwelle vom Maschinendrehgestell auf eines der beiden Enddrehgestelle übertragen (Achsfolge 2' 2' B'). Der Wagen erhielt die Betriebsnummer M 2 bei der Odense-Kerteminde-Martofte Jernbane (OKMJ), er wurde 1951 als Reisezugwagen umgerüstet und 1966 verschrottet.

Die Serienausführung der Tretrukker (Modell XXII) wurde dieselelektrisch ausgeführt. Hier war die gesamte Antriebsanlage im Maschinendrehgestell untergebracht und die Zugkraft wurde mittels Puffern und Kupplungen auf das Fahrzeug übertragen. Tretrukker wurden auf Jütland von der Lemvigbanen (VLTJ) als M 4-M 6 sowie auf Südfünen von der SFJ als M 6-M 13 und von der OMB als M 3-M 4 beschafft. Die Wagenkästen unterschieden sich im Bereich der Einstiege und der Führerstände: Bei den Fahrzeugen der VLTJ war dieser Bereich schmaler ausgeführt, bei den Triebwagen für Fünen verjüngte er sich zu den Fahrzeugenden hin. Mit der Übernahme von Privatbahnen auf Fünen erhielt die DSB 1949 auch sechs dieser Fahrzeuge, die zwischenzeitlich als Baureihe MDF geführt wurden. Anfang der 1950er Jahren wurden bei allen Tretrukkern die unzuverlässigen B&W-Motoren gegen MAN-Maschinen ausgetauscht.

Die Wagenkästen der Tretrukker waren mit Teakholz verkleidet und klarlackiert, die Dächer waren mit Dachpappe gedeckt. Die Fahrzeuge wurden bei Bedarf mit zusätzlichen Reisezugwagen und auch vor leichten Güterzügen eingesetzt. Während der deutschen Besetzung Dänemarks und in den letzten Betriebsjahren wurden einige Tretrukker als Personenwagen verwendet. Der Betrieb der Fahrzeuge wurde Ende der 1970er Jahre eingestellt und lediglich zwei der VLTJ-Wagen wurden museal erhalten.

Museal erhaltene Fahrzeuge:
SFvJ: VLTJ M 5, 6

Status der VLTJ-Tretrukker bei der SFvJ 2005: M 6 war gelegentlich im Museumsbetrieb und soll wiederhergestellt werden. M 5 ist abgestellt und soll als Reisezugwagen aufgebaut werden. Von M 4 waren nach einem Brand 1988 nur noch einzelne Teile vorhanden.


Technische Daten Tretrukker (Modell XXII)
Anzahl 13
Hersteller Triangel / Scandia / B&W
Baujahr 1932
Achsfolge 2' Bo' 2'
Länge über Puffer 29.930 mm
Motor B&W 815VGL22, 8 Zylinder, Zweitakt
Leistung 257 kW (350 PS) bei 1100 U/min
Kraftübertragung dieselelektrisch
Höchstgeschwindigkeit 70 km/h
Dienstgewicht 55,0 t
Sitzplätze 72 + 5 Klappsitze
Zuladung im Traglastenraum 1,5 t
Ausstattung 1 WC, Heizung durch Kühlwasser des Motors



Abbildungen:

Modell XXI:

DK6392 DK6393 DK6394 DK6396


Modell XXII "Fyn":

DK5154 DK5155 DK1686 DK3258

DK1683 DK1684 DK1685 DK3419


Modell XXII "Lemvig":

DK5526 DK5527 DK6400 DK6401

DK6389 DK1194 DK1607 DK1608




Quellen:
Andersen, Torben (1997): B&W og Holeby Diesel. Lokomotivet 49: 34-39.
Andersen, Torben (2001): Scandia diesellokomotiver og motorvogne 1924-1934. Lokomotivet 65: 41-47.
Andersen, Torben (2003): Motortrækkraft hos VLTJ/Lemvigbanen. Lokomotivet 75: 48-55.
Alkjær, Hans Gram et al. (1976): Motor Materiel 1: Jernbanemotor materiellet fra Triangel. Dansk Jernbane-Klub.
Syd Fyenske Veteranjernbane (SFvJ): www.sfvj.dk


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