Steckbrief Frichs Privatbahn-Dampfloks


Nachdem A/S Frichs in den 1920er Jahren zum dominierenden Dampflok-Lieferanten der DSB aufgestiegen war, versuchte man auch mit den Privatbahnen ins Geschäft zu kommen, die ihre Loks vorwiegend im Ausland beschafften. Ab 1924 begann A/S Frichs Vorschläge für Tenderloks zu vorzulegen, um vor allem bei neuzugründenden Bahnen Absatzmöglichkeiten zu erschließen. Die Frichs-Entwürfe orientierten sich an den Vorgaben für Nebenbahnlokomotiven des deutschen "Engeren Lokomotiv Normen Ausschusses" (ELNA), wiesen aus Gewichtsgründen aber kleinere Kessel und Zylinder auf. Vorgeschlagen wurden verschiedene Baumuster mit den Achsfolgen 1' B, 1' C, 1' C 1', und 1' D 1', die alle für die relativ niedrigen Achslasten der dänischen Privatbahnen ausgelegt waren. Der Absatz gestaltete sich problematisch, da Frichs preislich ca. 30 % über vergleichbaren Henschel-Angeboten lag und dabei immer noch im Verlustbereich arbeitete. Darüber hinaus wurde das Interesse durch die Einführung der Dieseltraktion vermindert, mit der die Privatbahnen die unwirtschaftliche Dampfkraft ablösten.

Durch mehr oder weniger deutlichen politischen Druck gelang es A/S Frichs zwei Serien von insgesamt vier Loks an drei dänische Privatbahnen zu verkaufen. Alle Loks hatten den ELNA Typ 2 mit der Achsfolge 1' C zum Vorbild und arbeiteten zuverlässig, sie wurden in den 1950er Jahren ausgemustert und bis 1966 verschrottet. Der Entwurf einer 1' B 1'-Tenderlok für die Slangerupbanen (KSB) von 1928 war unabhängig von den ELNA-Vorlagen, kam aber nicht zur Ausführung.

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Serie I, 1926: Die beiden Maschinen VaGJ 5 und NRJ 1 waren durch ein für dänische Verhältnisse ungewöhnliches Führerhaus mit relativ flachem Dach und Oberlichtern gekennzeichnet. Im vorderen Bereich verliefen die Umlaufbleche auf Höhe der Oberkante der seitlichen Wasserkästen und waren mit auffälligen Leitern versehen. Die unglückliche Gewichtsverteilung der Konstruktion führte zum häufigen Entgleisen der vorderen Laufachse.
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Serie II, 1927: Die Loks wurden als MFVJ 1 und 2 ausgeliefert, aber schon bald als MFVJ 6 und 7 umgeziechnet. Gegenüber den Vorläufern erhielten die Maschinen eine gesteigerte Leistung und wiesen veränderten Dimensionierungen von Kessel und Zylindern auf. Für das Dach und die Umlaufbleche waren elegantere Lösungen gefunden worden und die Gewichtsverteilung war bei unveränderten Achsabständen verbessert worden.



Technische Daten Frichs Privatbahn-Dampfloks:
VaGJ 5, NRJ 1 MFVJ 6, 7
Anzahl 2 2
Hersteller Frichs Frichs
Baujahre 1926 1927
Bauart, Steuerung 1' C h2T, Heusinger 1' C h2T, Heusinger
Länge über Puffer 9.900 mm 9.709 mm
Rostfläche 1,2 m² 1,2 m²
Verdampfungsheizfläche 51,1 m² 58,8 m²
Überhitzerheizfläche 22,8 m² 27,2 m²
Kesselüberdruck 12 atm 12 atm
Zylinder-Ø 360 mm 380 mm
Kolbenhub 540 mm 540 mm
Treib- und Kuppelrad-Ø 1.100 mm 1.100 mm
indizierte Leistung -- PS -- PS
Höchstgeschwindigkeit 45 km/h 45 km/h
Dienst- / Reibungsgewicht 38,0 t / 35,3 t 43,0 t / 35,0 t
Vorrat Wasser / Kohle 5,0 m³ / 2,3 t 7,0 m³ / 2,3 t



Abbildungen:

VaGJ, NRJ:

DK1795


MFVJ:

DK5716 DK1796 DK5717 DK7796


Zum Verbleib der einzelnen Loks s. Fahrzeugliste

Quellen:
Bay, William (1977): Danmarks damplokomotiver. Herluf Andersens Forlag.
Gram Alkjær, Hans (2001): 1926: Privatbanelokomotiver fra Frichs. Jernbanehistorisk årbog '01. Smørum: bane bøger.
Nørgaard Olesen, Thomas (2005): Lokomotivfabrikken Frichs. København: Dansk Jernbane Klub

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