Steckbrief Henschel DHG 1200


In den 1970er Jahren zeichnete sich ab, daß die alten Frichs-Lokomotiven der Privatbahnen verschlissen waren. Daher beschlossen die Gesellschaften HHJ, HP und VNJ gemeinsam je eine neue dieselhydraulische Lok mit Drehgestellen zu beschaffen. Die Wahl fiel auf den bewährten Henschel Typ DHG 1200, der aus der laufenden Produktion zügig beschafft werden konnte. Dabei handelte es sich um das leistungsstärkste Modell aus dem fünften Henschel-Typenprogramm, das in 10 Exemplaren gebaut wurde. Bei der Bewilligung der Gelder im Folketing kam es jedoch zum Eklat, als einige Kräfte die Auftragsvergabe an die dänische A/S Frichs zum Schutz einheimischer Arbeitsplätze erreichen wollten. Das Unternehmen bot eine eigene Konstruktion an, die allerdings im Wesentlichen aus zugekauften Baugruppen bestand. Erst der energische Auftritt der Ministerin Natalie Lind brachte die Henschelverträge auf den Weg - und ihr die Ehre, Namenspatin der VNJ-Lok "Natalie" zu werden.

Die DHG 1200 war eine dieselhydraulische Lokomotive, die primär für den Verschiebedienst auf Industrieanlagen gedacht war. Die gesamte Maschinenanlage war in halbhohen, schmalen Vorbauten untergebracht, das hochgesetzte Führerhaus war auf rund 2/3 der Fahrzeuglänge angeordnet. Der lange Vorbau nahm den Motor mit dem Strömungswandler, den Schalldämpfer sowie den Kompressor auf, im kurzen Vorbau war der Kühler, verschiedene Hilfsaggregate sowie der Kraftstoffvorrat untergebracht. Das Getriebe lag unter dem Führerhaus und wirkte mittels Gelenkwellen auf jeweils beide Achsen der zwei Drehgestelle. An den Fahrzeugenden ermöglichten Bühnen und Geländer einen sicheren Aufenthalt für das Rangierpersonal.

Die ab 1976 ausgelieferten Maschinen waren die modernsten Lokomotiven, die von den dänischen Privatbahnen beschafft wurden. Sie erhielten die Bezeichnungen HHJ DL 10, VNJ DL 14 und HP 16 und wurden alle in den rot/orangen Hausfarben der jeweiligen Gesellschaft lackiert. HHJ DL 10 erhielt im Frühjahr 2006 ein neues Design, wobei die klassischen "Y-tog Streifen" entfielen und große HHJ-Flügelradlogos angebracht wurden, 2008 ging die Lok in den Bestand der "Midtjyske Jernbaner A/S" (MjbaD) über. Obwohl die DHG 1200 als ausgesprochen zuverlässig galten, trennten sich die Betreiber 2001-02 und 2010 von ihren Loks, da sich der Bedarf gewandelt hatten.


Technische Daten Henschel DHG 1200
Anzahl 3
Hersteller Henschel
Baujahre 1976-1977
Achsfolge B' B'
Länge über Puffer 12.000 mm
Motor MTU Typ MB 12 V 331 TC 11, 12 Zylinder
Leistung 854 kW (1160 PS) bei 2100 U/min
Kraftübertragung dieselhydraulisch
Höchstgeschwindigkeit 75 km/h
Dienstgewicht 68,0 t


Abbildungen:

HHJ/MjbaD:

DK5028 DK1395 DK1396 DK2059 DK2301

DK7256


HP:

DK1462 DK3173 DK3829 DK6106 DK6107


VNJ:

DK5696 DK5697 DK6699 DK7170


Henschel DHG 1200 anderer Betreiber:

DK4721

Zum Verbleib der einzelnen Loks s. Fahrzeugliste.


Quellen:
Andersen, Torben (1996): Natalie ...og andre moderne tyske lokomotiver på danske spor. Lokomotivet 44: 36-40.
Paulsen, Patrick & Böttger, Patrick: Rangierdiesel.de. www.rangierdiesel.de
Poulsen, John, Hrsg. (1997): Privatbanerne gennem 150 år. Smørum: bane bøger.
Poulsen, John (2013): Motor Materiel 8: Motormateriellet fra tyske fabrikker efter 1945. Smørum: bane bøger.


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